Am vergangenen Sonntag traf sich Deutschlands Langstreckenelite um ihre Meister über die Halbmarathon Strecke zu ermitteln. Austragungsort war dabei die Hansestadt Hamburg, die mit dem PSD Bank Halbmarathon Hamburg den geeigneten Rahmen bieten konnte. Den Sieg trugen mit Miriam Dattke in 1:09:59h und Simon Boch (1:02:24h) zwei Regensburger davon. Doch auch auf den weiteren Plätzen wurden in Hamburg in diesem Jahr Spitzenleistungen erzielt. Mitten drin war dabei auch die 19-jährige LC-Athletin und Driburgerin Kiara Nahen bei ihrem allerersten Anlauf über die 21,1 Kilometer. Dementsprechend musste sich Nahen in einem der am stärksten besetzten Startfelder der vergangenen Jahre der Konkurrenz stellen. Ganze fünf U23-Athletinnen blieben in Hamburg unter 1h 20min, wohingegen in den vergangenen drei Ausrichtungen der Meisterschaften maximal zwei oder drei Athletinnen diese Marke unterbieten konnten.
Das Nahen überhaupt am Start stand, war jedoch vor einigen Wochen noch überhaupt nicht klar. „Wir haben uns erst recht kurzfristig am Tag des Meldeschlusses vor zwei Wochen dazu entschlossen in Hamburg zu laufen“, so ihr Trainer Tim Rabe. „Der eigentliche Fokus im Herbst liegt auf den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer auf der Straße in zwei Wochen in Uelzen, aber nach so einer langen Zeit ohne Straßenläufe haben wir uns entschlossen es mal einfach mal auszuprobieren“. Eine Entscheidung die sich für die angehende Physiotherapeutin lohnen sollte. Hinter der für den SCC Berlin startenden Athletin Blanka Dörfel, die in neuer inoffizieller Deutscher U20 Bestleistung von 1:11:51h überlegen die U23 gewann und hinter Sophie Kretschmer (LAC Aschersleben – 1:16:14min), lief die ebenfalls noch der U20 angehörige LC Athletin mit einer Endzeit von 1:17:40h (3:41min/km Schnitt) in die nationale Spitze und gewann unerwartet Bronze. Insgesamt landete sie zudem auf einem mehr als beachtlichen 14. Platz der Gesamtwertung aller Frauen.
Wie unerwartet schnell Nahen unterwegs war zeigt sich mit einem Blick auf ihre Zwischenzeiten. So lief sie die ersten 10km in 36:49min an und blieb damit sogar unter ihrer zwei Jahre alten Bestleistung über die 10km Strecke (37:00min). Trotz des rasanten Angangstempos konnte sie das schnelle Tempo jedoch auch auf der zweiten Hälfte halten. „Ich habe die offizielle 10km Zwischenzeit verpasst, aber durch viel zu schnellen KM-Zwischenzeiten auf meiner Uhr, wusste ich, dass ich nicht so schlecht unterwegs sein konnte“ resümierte Nahen mit einem Augenzwinkern. Auch ansonsten hielt sich die LC’lerin, die im vorausgegangenen Training noch nie einen Trainingslauf über 21km absolvierte, nahezu schadlos: „Bei Kilometer 16 hatte ich ein kurzes Tief mit Seitenstechen, konnte mich nach drei Kilometern allerdings davon erholen“.
Wie Nahens Endzeit einzuordnen ist, zeigt zudem ein Blick in die westfälischen Bestenlisten der vergangenen Jahre. Bis ins Jahr 2012 muss man zurückgehen, um in Westfalen eine U23-Athletin zu finden die eine solche Zeit über die 21,1 Kilometer erzielen konnte. Eine U20-Athletin mit vergleichbarer Zeit sucht man bis inkl. des Jahres 1998 vergeblich in den Aufzeichnungen.
Eine solche Zeit war im Vorfeld jedoch nicht zu erwarten. „Kiaras Bestleistungen auf der Bahn und auf der Straße lassen eine so schnelle Zeit eigentlich gar nicht zu“, so LC-Trainer Tim Rabe. „Allerdings wissen wir schon seit längerem, dass ihr die längeren Strecken tendenziell sehr gut liegen und planen schon seit einigen Jahren langfristig auf eine spätere Langstreckenspezialisierung hin, ohne zu früh die ganz langen Strecken zu priorisieren. Zudem hat sich vor zwei Wochen über die 5 Kilometer in Verl angedeutet, wo der Weg für sie im Herbst hingehen kann. Dort hat sie sehr souverän ausgesehen und konnte auf der zweiten Hälfte ohne Probleme deutlich beschleunigen.“
Ihr Talent für die Langstrecke zeigte die Driburgerin schon früh im regionalen Hochstiftcup, als sie in der AK13 mit Bestzeiten von 19:30min und in der AK14 mit 19:07 über 5 Kilometer der teils deutlich älteren Konkurrenz Beine machte. Anschließend konnte Nahen in den vergangenen Jahren mit regelmäßigen Top 8 Platzierungen bei Deutschen Jugendmeisterschaften über die 3000 Meter überzeugen. „Dieser dritte Platz in der U23 und die insbesondere die erzielte Zeit, stellt jedoch ihre bisher mit Abstand beste Leistung dar“ freut sich LC Trainer Rabe. Nach kurzer Erholungszeit geht es nun für die LC Langstrecklerin am 31. Oktober bei den Deutschen Meisterschaften im 10 Kilometer Straßenlauf über die halbe Strecke weiter. Auch hier dürfte eine Verbesserung ihrer Bestzeit um einige Sekunden oder mehr möglich sein.






