Leichtathletik: Tatjana Pinto triumphiert beim ISTAF Indoor an der Spree über 60 Meter. Vor 12.100 Zuschauern stellt die Paderbornerin dabei eine Weltjahresbestzeit auf
Paderborn/Berlin. In der vergangenen Saison war für Tatjana Pinto nicht alles nach Plan gelaufen. Junge Sprinterinnen wie Gina Lückenkemper oder Lisa Mayer hatten ihr ein wenig den Rang abgelaufen. Doch gleich im ersten echten Wettkampf des Jahres 2018 bewies Pinto, dass sie den Titel als deutsche Sprintqueen zurückerobern könnte. Denn beim „ISTAF Indoor“ in Berlin sicherte sich die 25-Jährige vom LC Paderborn am Freitagabend in einem Weltklasse-Teilnehmerfeld überraschend den Finalsieg über 60 Meter. Und in 7,08 Sekunden hatte Paderborns Sportlerin des Jahres dabei schon im Vorlauf eine Weltjahresbestzeit aufgestellt.
„Ich wusste, dass ich in guter Form bin. Aber das hat mich überrascht. Ich bin fast eine persönliche Bestzeit gelaufen. Das ist total genial“, bilanzierte Pinto, die nur bei den Deutschen Hallenmeisterschaften 2016 in Leipzig schneller gewesen war. Damals lief die gebürtige Münsteranerin in 7,07 Sekunden zum Titel.
Pinto trumpft gleich im Vorlauf auf
Am Freitag ließ sich Pinto nun von einer starken Konkurrenz und einer unvergleichlichen Stimmung beflügeln. 12.100 Zuschauer feierten in der Berliner Mercedes-Benz-Arena ein wahres Leichtathletik-Fest. „Die Atmosphäre war großartig. Das hat gerockt“, schwärmte Pinto, die schon im ersten Vorlauf für einen Höhepunkt des Meetings sorgte. Nach einem exzellenten Start eilte die Paderbornerin in den besagten 7,08 Sekunden zum Sieg. Auch Gina Lückenkemper (7,21) und Michelle-Lee Ayhe (7,22, Trinidad/Tobago) waren auf den Plätzen zwei und drei chancenlos.
Allzu überrascht über die glanzvollen Zeiten war Prange jedoch nicht. „Das hat sich im Training angedeutet. Tatjana ist gut durch den Winter gekommen und hat hart gearbeitet“, berichtet der Paderborner Coach. Ende Dezember absolvierte Pinto hierbei ein Trainingslager auf Jamaika. In der Sprintgruppe des jamaikanischen Coaches Steven Francis traf die 25-Jährige auf Weltklasse-Asse wie Doppel-Olympiasiegerin Elaine Thompson. Und so dürfte Tatjana Pinto auch für die kommenden Aufgaben bestens gerüstet sein.
So stehen bis zu den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund (17. und 18. Februar) Starts bei Meetings in Karlsruhe und Paris auf dem Programm. Eventuell wird Pinto bei einem weiteren Hallenmeeting in Frankreich auch noch ein 200-Meter-Rennen absolvieren. Denn wenn es der Zeitplan zulässt, könnte die Paderbornerin bei der DM in Dortmund auch über die längere Sprintdistanz ins Medaillenrennen eingreifen.
„Die Deutsche Meisterschaft wird allerdings hart“, prognostiziert Thomas Prange mit Blick auf die nationale Konkurrenz. Eine Lisa Mayer, die beim ISTAF in 7,17 Sekunden eine starke persönliche Bestzeit lief, wäre derzeit beispielsweise nicht für die Hallenweltmeisterschaft in Birmingham (1. bis 4. März) qualifiziert. Die WM-Tickets hätten Pinto (7,08) und Lückenkemper (7,11) in der Tasche, die auch die Weltjahresbestenliste anführen. Doch auch die 25-Jährige vom LC Paderborn hat die Reise nach Birmingham noch längst nicht gebucht. In den nächsten Wochen sind weitere Topleistungen vonnöten. Thomas Prange ist guter Dinge, dass seine Athletin noch ein paar Pfeile im Köcher hat. „Die Rennen in Berlin waren noch nicht perfekt. Tatjana hat noch Luft nach oben“, betont der Sprintcoach vom LC Paderborn.
Quelle: Frank Beineke / Neue Westfälische 2018




