Leichtathletik: Sprint-Ass vom LC Paderborn holt zum dritten Mal in Folge den deutschen Hallenmeistertitel über 60 Meter. Auch Estelle Potthast und Noel Thorwesten überzeugen. Enttäuschung für Mareen Kalis
Paderborn. Chantal Butzek machte gestern den Hattrick perfekt. Die 18-jährige Sprinterin vom LC Paderborn holte bei den Deutschen Leichtathletik-U20-Hallenmeisterschaften zum dritten Mal in Folge den Titel. In ihrer letzten Saison bei den Juniorinnen sorgte die angehende Abiturientin in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle gleichzeitig für einen Höhepunkt der Meisterschaften. Denn bei ihrem Sieg über 60 Meter stellte Butzek in 7,27 Sekunden eine grandiose persönliche Bestzeit auf. „Das macht das Ganze rund“, freute sich die alte und neue Titelträgerin.
Dabei hatte Chantal Butzek im Zwischenlauf noch eine kleine Schrecksekunde erlebt. Die Paderbornerin geriet ins Stolpern und legte fast einen Sturz hin, gewann am Ende aber dennoch das Rennen in 7,49 Sekunden. „Im Finale bin ich etwas vorsichtiger zu Werke gegangen und ich war nicht ganz so verbissen. Vielleicht war genau dies das Erfolgsrezept“, bilanzierte Butzek ein (fast) perfektes Rennen, in dem sie die extrem starke Keshia Kwadwo (Wattenscheid, 7,36 Sekunden) in Schach hielt. Am Ende lag die Paderbornerin vier Hundertstel unter ihrer bisherigen Bestzeit, die aus dem Februar 2015 datierte.
Das Ergebnis kam für die Siegerin hierbei ein wenig überraschend. „Denn eigentlich war ich total müde“, berichtete Butzek, „aber dann habe ich einen nahezu idealen Lauf erwischt, wenngleich bei der Startphase noch Potenzial vorhanden ist.“ Hinter Rebekka Haase (LV Erzgebirge, 7,16 Sekunden) ist die 18-Jährige nun sogar die Nummer zwei der deutschen Frauen-Saisonbestenliste. Dennoch wird Butzek auf die am kommenden Wochenende in Leipzig anstehenden Deutschen Hallenmeisterschaften verzichten. „Ich habe eine stressige Klausurenwoche vor mir und muss fast alle Trainingseinheiten sausen lassen. Und der Druck wäre mir in Leipzig zu groß“, erklärt Butzek, die stattdessen am kommenden Samstag für den Deutschen Leichtathletikverband beim U20-Länderkampf in Padua starten wird.
Mit Estelle Potthast und Noel Thorwesten glänzten noch zwei weitere LC-Sprinttalente bei den Jugend-Hallenmeisterschaften in Dortmund. So blieb die erst 16 Jahre alte Potthast im Zwischenlauf (7,64 Sekunden) und im Finale (7,68 Sekunden) über 60 Meter unter ihrer bisherigen Bestzeit. „Das war eine super Leistung, über die ich mich riesig gefreut habe“, lobt LC-Sprinttrainer Thomas Prange seine junge Nachwuchshoffnung, die am Ende eine exzellenten siebten Platz belegte. Allerdings wurde Estelle Potthast zur tragischen Heldin, denn die aus Bredenborn (Kreis Höxter) stammende LC-Sprinterin zog sich im A-Finale einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. „Estelle ist ans Limit gegangen und hat bis zum letzten Meter gekämpft“, so Thomas Prange.
Noel Thorwesten schaffte derweil sowohl über 60 Meter als auch über 200 Meter den Sprung ins A-Finale. Über die kürzere Distanz gab es in sehenswerten 6,89 Sekunden einen sechsten Platz. Über 200 Meter stand in 22,18 Sekunden sogar ein fünfter Rang zu Buche, wobei Thorwesten noch Pech gehabt hatte. Ein Konkurrent hatte sich einen Fehlstart geleistet, der aber nicht zurückgepfiffen wurde. Der Paderborner war irritiert und verlor wertvolle Zeit. „Noel hat sich insgesamt prima präsentiert. Man darf nicht vergessen, dass es seine ersten Deutschen Meisterschaften waren“, urteilte Prange. Und vielleicht feiert der 17-Jährige schon am Samstag seine Premiere im DLV-Trikot, denn Thorwesten wird wohl zumindest in der 4 x 200-Meter-Staffel für den U20-Länderkampf in Padua nominiert. Komplettiert wurde der gute Auftritt der Paderborner Delegation von Karen Schiwon (60 Meter Hürden, 9,02 Sekunden) und Jakob Willeke (3.000 Meter, 9:24,38 Minuten), die aber mit den vorderen Platzierungen erwartungsgemäß nichts zu tun hatten.
Eine herbe Enttäuschung erlebte unterdessen eine ehemalige Athletin des LC Paderborn: Mareen Kalis, die seit diesem Jahr das Trikot der LG Stadtwerke München trägt, musste sich als Titelverteidigerin über 800 Meter mit dem vierten Platz zufrieden geben. Gold wäre für die 18-Jährige aus Schloß Neuhaus ohnehin nicht drin gewesen, da sich 1.500-Meter-Ass Konstanze Klosterhalfen (Bayer Leverkusen) diesmal für einen Start über 800 Meter entschieden hatte. Das DLV-Ausnahmetalent verbesserte in 2:03,37 Minuten prompt den 36 Jahre alten deutschen U20-Rekord.
Kalis musste sich in mäßigen 2:10,08 Minuten aber nicht nur Klosterhalfen, sondern auch Alina Ammann (Esingen, 2:07,62) und Joana Staub (Rehlingen, 2:09,91) geschlagen geben. „Ich hatte gedacht, dass ich mit Konstanze besser mithalten kann. Als das nicht geklappt hat, fehlte mir das nötige Selbstbewusstsein. Dann habe ich den Fehler gemacht und die Medaille nicht abgesichert“, kommentierte die Schloß Neuhäuserin ein völlig verkorkstes Rennen. Zuletzt hatten Kalis aber auch Knieprobleme zu schaffen gemacht. „Ich werde wohl auf die DM in Leipzig verzichten und mich auf die Sommersaison vorbereiten. Denn da warten die großen Ziele“, erklärte die Medizin-Studentin, die Dortmund schnell abhaken wird.
Quelle: Neue Westfälische 21.02.2016




