Mittwoch, 04. März 2026

Startklar für Schweden

LEICHTATHLETIK: Chantal Butzek und Mareen Kalis vom LC Paderborn sind bei der U20-EM dabei

Paderborn. Chantal Butzek und Mareen Kalis sind gerade einmal 18 Jahre alt. Dennoch haben die beiden Leichtathletik-Asse vom LC Paderborn schon jede Menge Erfahrung bei internationalen Titelkämpfen gesammelt. 2013 war das Duo bei der U18-Weltmeisterschaft in Donezk im Einsatz. Im vergangenen Jahr holte Butzek eine Bronzemedaille bei der U20-Weltmeisterschaft in Eugene, während Kalis bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing auf dem Podest landete. Nun geht?s für die LC-Talente ins schwedische Eskilstuna. Dort steigt vom 16. bis 19. Juli die U20-Europameisterschaft.

Mareen Kalis wird dort in ihrer Paradedisziplin 800 Meter starten. Chantal Butzek nimmt die 100 Meter und einen Staffelstart über 4 x 100 Meter in Angriff. Die Ziele des Duos für die Einzelrennen sind identisch: Die Finalteilnahme soll her. Mit der Sprintstaffel greift Butzek sogar nach Gold. Doch die Konkurrenz ist stark. Noch dazu zählen Kalis und Butzek, die 2014 noch in der U18-Altersklasse starten durften, zum jüngeren Jahrgang. Im Folgenden gibt es eine Vorschau auf die drei Disziplinen, in denen die beiden Ausnahmetalente vom LC Paderborn starten.

800 Meter

Mareen Kalis reist mit der sechstschnellsten Meldezeit nach Eskilstuna. Eine Saisonbestleistung von 2:05,75 Minuten steht für die 18-Jährige aus Schloß Neuhaus zu Buche. In Schweden trifft sie gleich auf acht Konkurrentinnen, die ebenfalls schon die 2:06-Minuten-Marke geknackt haben. „Unser Ziel ist der Endlauf der besten Acht“, erklärt LC-Coach Michael Krusemark. Die Chancen aufs Finale stehen gut. Die Chancen auf Medaillen sind dagegen eher theoretischer Natur. Denn mit der Isländerin Anita Hinriksdottir (2:01,50), der Belgierin Renée Eykens (2:02,55), der Mönchengladbacherin Sarah Schmidt (2:02,19) und der Britin Molly Long (2:03,32) gibt es vier Starterinnen, die imposante Saisonbestzeiten vorweisen können.

Gegen Hinriksdottir, Eykens und Schmidt bestritt Kalis in dieser Saison bereits ein Rennen, bei dem sie das hohe Tempo aber bewusst nicht mitging. „Im Finale könnte Mareen nun durchaus etwas riskieren“, sagt Krusemark. Denn eine neue persönliche Bestleistung und der inoffizielle Titel „Beste Läuferin des Jahrgangs 1997“ wären ebenfalls lohnenswerte Ziele. Bis zum Finale wartet allerdings eine Menge Arbeit. So wird es über 800 Meter einen Vorlauf und ein Halbfinale geben, ehe am Samstag um 17.15 Uhr den Endlauf ansteht. „Insgesamt drei Rennen sind eine hohe Belastung. Aber Mareen hat die nötige Erfahrung“, urteilt Michael Krusemark, der in Eskilstuna vor Ort sein wird.

100 Meter

Bei der U23-Europameisterschaft in Tallinn hatte Rebekka Haase in der vergangenen Woche in 11,47 Sekunden Gold über 100 Meter geholt. Diese Zeit könnte bei der U20-EM womöglich noch nicht einmal für eine Medaille reichen. Denn das Starterfeld ist erlesen, wenngleich mit der Polin Ewa Swoboda und Gina Lückenkemper aus Soest sogar die Nummern eins und zwei der europäischen Juniorinnen-Bestenliste fehlen. Doch auch so dürfte es für Chantal Butzek schwer sein, einen Podestplatz zu ergattern. Mit ihrer Bestmarke von 11,62 Sekunden ist die Paderbornerin jedenfalls die Nummer sechs der Meldeliste. „Ich denke aber auch gar nicht an eine Medaille. Ich will einfach ins Finale kommen. Und eine neue Bestzeit wäre das i-Tüpfelchen“, erklärt Butzek, die in den vergangenen Wochen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Bei einem Meeting in Dessau war sie über 100 Meter Hürden übel gestürzt. Dabei hatte sich die 18-Jährige unter anderem eine Gehirnerschütterung zugezogen. Zudem sorgte eine Erkältung für eine kurze Trainingspause. „Aber ich bin wieder zu Kräften gekommen und freue mich unheimlich auf die 100 Meter flach. Und es gibt Tage, an denen ich vor Energie sprühe. Ich hoffe, dass ich in Schweden einen solchen Tag erwische“, so Butzek. Ihr Trainer ist jedenfalls guter Dinge. „Ich traue Chantal auf jeden Fall eine Bestzeit zu“, betont Thomas Prange. Ob dies dann für das Podest reicht, bleibt abzuwarten. Aber Chantal Butzek hat ja auch noch eine riesige Medaillenchance mit der Staffel.

4 x 100 Meter

Bei der U20-Weltmeisterschaft im US-Leichtathletik-Mekka Eugene hatte Chantal Butzek im vergangenen Jahr mit der deutschen Sprintstaffel ihre erste Medaille bei internationalen Titelkämpfen geholt. 44,65 Sekunden reichten damals zu Bronze. Inzwischen ist das deutsche Quartett noch schneller geworden. Viel schneller. In 43,70 Sekunden sind Butzek und Co. Inhaberinnen der Weltjahresbestleistung und damit Topfavorit auf EM-Gold. „Aber man weiß nie, was die anderen Nationen aus dem Hut zaubern“, warnt LC-Coach Thomas Prange, der der deutschen Staffel aber nochmals eine deutliche Leistungssteigerung zutraut: „Wenn die Wechsel gut klappen, können die Mädels eine untere 43er-Zeit laufen.“ Zum Vergleich: Der Weltrekord, den eine US-Staffel 2006 aufstellte, steht bei 43,29 Sekunden, der Europarekord bei 43,42 Sekunden.

 Mit solchen Zahlen beschäftigt sich Chantal Butzek aber nicht. „Wir müssen die Ruhe bewahren“, sagt die Paderbornerin, die als Schlussläuferin zum Einsatz kommen wird. Davor werden Nina Braun sowie das pfeilschnelle Duo Lisa Mayer und Gina Lückenkemper das DLV-Quartett auf Touren bringen. Bei einem Staffel-Trainingslager in Hannover wurde unlängst noch intensiv an den Wechseln gefeilt. „Und wir haben unseren Teamgeist super gestärkt“, berichtet Butzek und hofft, dass sie mit ihren Staffelkolleginnen bei der Siegerehrung am Sonntag um 17.50 Uhr auf der obersten Stufe des Podestes stehen wird.
Text: Frank Beineke (Neue Westfälische / 14.7.2015)