Heute Zürich, Sonntag Berlin – noch zwei große Auftritte für Sprint-Ass Inna Weit

Weltklasse in Zürich, Istaf in Berlin, Umzug, Grundausbildung: Sprinterin Inna Weit hat auch nach ihrem überzeugenden Weltmeisterschafts-Auftritt in Moskau noch eine Menge zu tun. Foto: dpa
P a d e r b o r n (WV). Gerade aus Moskau zurück, geht es für Inna W e i t gleich wieder weiter. An diesem Donnerstag tritt sie mit der deutschen WM-Staffel beim Golden-League-Meeting in Zürich an, am Sonntag beim Istaf in Berlin über ihre Paradestrecke, die 200 Meter. Zuvor unterhielt sich die 25-Jährige mit Redakteur Elmar N e u m a n n über erreichte und anvisierte Ziele.
?Inna, erst Ihre Premiere im Züricher Letzigrundstadion, dann der Auftritt vor 50 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion. Mit welchem Vorhaben treten Sie bei diesen spektakulären Wettkämpfen an?
Inna Weit: Ich möchte einfach nur Spaß haben und die Kulisse genießen. Ich freue mich drauf.
?Mit diesen beiden Höhepunkten neigt sich das WM-Jahr gen Ende. Ihre Bilanz muss sehr positiv ausfallen.
Weit: Ja, ich bin sehr zufrieden. Mein Ziel war es, mich für die Weltmeisterschaften in Moskau zu qualifizieren. Das habe ich geschafft und wir sind mit der Staffel Vierte geworden. Insgesamt war ich in meinen Leistungen sehr konstant und ich freue mich schon auf die nächste Saison.
?Wie groß war die Enttäuschung, sich über die 200 Meter noch nicht für die WM qualifiziert zu haben?
Weit: Ich würde nie von Enttäuschung sprechen. Ich habe die Möglichkeiten, die sich mir geboten haben, sehr gut genutzt und bin stolz genug auf das Erreichte. Das war ein tolles Erlebnis und als nächstes konzentrieren wir uns jetzt auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr in Zürich.
?Die jüngsten Dopingfälle haben vor allem die Leichtathletik wieder in ein sehr schlechtes Licht gerückt. Wie groß ist Ihr Vertrauen, dass die Konkurrenz nicht mit unerlaubten Mitteln nachhilft, sondern einfach nur noch härter trainiert oder noch talentierter ist?
Weit: Ich beschäftige mich nicht damit, was andere machen und möchte in solche Gedanken auch keinerlei Energie verschwenden. Ich weiß, dass ich ständig kontrolliert werde und mir nichts vorzuwerfen habe und denke, dass mein Körper in der Lage ist, noch gute Leistungen abzurufen. Abgesehen davon glaube ich, dass es einfach Ausnahmetalente gibt und finde es schön, dass es sie gibt, denn davon profitiert die gesamte Sportart. Es ist aber schade, dass sich alle auf die Leichtathletik konzentrieren. Von der FIFA (der Weltfußballverband, Anm. d. Red.) sollen zum Beispiel viele Dopingproben gelöscht worden sein – warum wohl?
?Zurück zu Ihnen. Gibt es schon erste Gedanken an die WM 2015 in Peking oder die Olympischen Spiele 2016 in Rio?
Weit: Nein, das ist noch viel zu weit weg. Bis dahin kann noch viel zu viel passieren.
?Die Tatsache, dass Sie vom 1. September an Sportsoldatin sein werden, dürfte Ihnen beim Realisieren der Ziele in jedem Fall behilflich sein.
Weit: Das Beste ist, dass ich mehr Zeit zur Regeneration haben werde, weniger arbeiten und mehr trainieren kann. Es sagen zwar viele ›Ach, die arbeitet doch nur 20 Stunden als Physiotherapeutin in der Woche‹, aber man darf nicht vergessen, was alles dazu kommt. Ich trainiere zwei Mal am Tag und die Wettkämpfe sind auch nicht gerade in der Nähe. Ich bin ständig unterwegs und habe gar keine Zeit zum Regenerieren. Mein Kopf und mein Körper werden es mir danken. Derzeit ist mein Tagesablauf Stress pur. Ich hetze von einem Termin zum nächsten und habe auch kaum noch Zeit für meine Familie und meine Freunde. Aber ich habe gemerkt, wie dringend ich diese Zeit brauche.
?Und Zeit für einen erholsamen Urlaub ist nicht in Sicht?
Weit: Nicht wirklich. Ab September stehen erst mal die sechs Wochen Grundausbildung an. Die soll ja fürchterlich sein. Außerdem möchte ich noch umziehen und die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in der Nähe des Ahorn- Sportparks gestaltet sich nicht so einfach. Nach der Grundausbildung werde ich zwar mit meinen Freundinnen für drei Tage nach London fliegen, aber ein echter Urlaub ist das auch noch nicht.
Quelle:Westfalen-Blatt Nr. 200 vom Donnerstag, 29. August 2013




