Deutschland legte Protest ein und durfte knapp zwei Stunden später im Finale starten. Und so gab’s ein Happy-End: Bei ihrem ersten WM-Auftritt belegte Inna Weit mit der DLV-Staffel in 42,90 Sekunden einen fünften Platz, der am Abend sogar noch in Rang vier umgewandelt wurde.
„Wir haben unser Bestes gegeben. Die Zeit war für ein Finale sehr gut“, resümierte die 25-jährige Paderbornerin. Ihr Trainer Thomas Prange war derweil voll des Lobes. „Eine ganz starke Leistung. Die Mädels haben in einer ungemein schwierigen Situation die Nerven behalten. Chapeau. Und ein vierter Platz bei einer Weltmeisterschaft ist wahrlich nicht zu verachten“, urteilte der Coach vom LC Paderborn, der die WM-Rennen im Urlaub in Frankreich verfolgte.
Und auch Prange war völlig überrascht, als er nach dem starken Vorlauf von der Disqualifikation der deutschen Staffel erfuhr. „Ich habe mir das Rennen jetzt mehrfach in der Wiederholung angesehen. Ich kann beim besten Willen keinen Regelverstoß sehen“, erklärte der LC-Trainer. Letztlich schlossen sich die Offiziellen in Moskau dieser Meinung an. Mit der fünftbesten Vorlaufzeit ging es doch noch ins Finale – und zum Glück war das deutsche Team gewappnet.
„Es hat lange gedauert, bis die Entwarnung kam. Aber wir haben uns trotzdem normal warm gemacht und aufs Finale konzentriert“, berichtete Verena Sailer. Nach der Erleichterung über die aufgehobene Disqualifikation gab es jedoch einen erneuten Rückschlag. Bei der Auslosung der Bahnen hatte Deutschland Bahn eins erwischt. „Das Schlechteste, was man kriegen kann“, erklärt Prange, „es gibt Rechnungen, wonach du pro Bahn nach innen zwei Zehntel verlierst.“
Das DLV-Quartett ließ sich aber auch davon nicht unterkriegen und lief im Finale ein beherztes Rennen. Der erste Wechsel von Yasmin Kwadwo auf Inna Weit war zwar mittelprächtig, doch die Staffelübergabe von Weit auf Tatjana Pinto geriet optimal. Und da Schlussläuferin und Ex-Europameisterin Verena Sailer auf den letzten 100 Metern mächtig Gas gab, rückten Deutschlands Sprintfrauen noch von Rang sieben auf Platz fünf vor.
Bei einer günstigeren Bahn hätte es wohl einen Podestplatz gegeben. Denn nur Weltmeister Jamaika (41,29 Sekunden) lag außer Reichweite. Und der vermeintliche Vizeweltmeister Frankreich (42,73) wurde am Sonntagabend wegen eines Wechselfehlers noch disqualifiziert. So fehlten dem deutschen Team nur drei Hundertstel auf Großbritannien, das auf den Bronze-Rang kletterte. Silber ging an die USA (42,75). „Ich war im Ziel selbst ein wenig überrascht, wie eng das am Ende alles war“, sagte Verena Sailer und lobte ihr Team: „Die Mädels haben die Situation prima gemeistert.“
Inna Weit krönte damit eine tolle Sommersaison. „Ich habe wieder einen Schritt nach vorne gemacht und bin viel konstanter geworden“, bilanziert Paderborns Sportlerin des Jahres. Verdienter Lohn war das Ticket nach Moskau – und dort erlebte Weit einen Wettkampf, den sie nie vergessen wird.




