Moskau (WB). Als am vergangenen Samstag der Flieger vom Düsseldorfer Flughafen in Richtung Moskau abhob, hat Paderborns Sportlerin des Jahres ihrem sportlichen Werdegang ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Nach mehreren Deutschen Meisterschaften und der EM 2012 darf Inna Weit (25), Sprinterin des LC Paderborn, zum ersten Mal an den Welttitelkämpfen der Leichtathleten teilnehmen.
Hat es trotz starker Zeiten und dem Titel bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm nicht zur Einzelqualifikation über ihre Paradestrecke 200 Meter gereicht, so wird sie immerhin in der 4×100 Meter-Staffel die deutschen Farben vertreten. Und die holte bei der Europameisterschaft in Helsinki, noch ohne Weit, Gold. Ihre Ziele sind klar gesetzt. »Wir wollen ins Finale. Und was da passiert, ist völlig offen. Vieles wird natürlich von unseren Wechseln abhängen. Für uns ist aber eine Menge möglich«, zeigt sich Weit optimistisch.
Um das Wohlergehen der Deutschen außerhalb des gigantischen Luschniki-Sportparks braucht man sich nicht zu sorgen. In der vier Kilometer entfernten Nobelherberge »Golden Ring« fehlt es der DLV-Delegation an nichts. »Unser Hotel ist super. Das Personal ist sehr freundlich und das Essen gut. Es gibt viel Reis, Kartoffeln, Fleisch, Gemüse und Salat. Und der Nachtisch ist unheimlich lecker«, so die gebürtige Kasachin und grinst dabei ihre Zimmer- und Staffelkollegin Tatjana Pinto an.
Neben den Deutschen genießen auch die Franzosen, Niederländer, Japaner und Norweger den Fünf-Sterne-Comfort des Hotels und sorgen so für eine internationale Atmosphäre, die Weit genießt. »Das macht doch so eine WM erst aus. Die Stimmung im deutschen Team ist sehr gut und man hat das Gefühl, dass sie von Großereignis zu Großereignis besser wird«, ist Weit vom Drumherum angetan.
Die beiden Leichtathletinnen harmonieren nicht nur innerhalb der vier Hotelwände, sondern auch auf der Tartanbahn. So wird die Paderbornerin an Position zwei laufend am Sonntagnachmittag (14.15 Uhr) und bei erfolgreicher Qualifikation auch gegen Abend (16.10 Uhr) der dunkelhäutigen Münsteranerin den Staffelstab übergeben. Und dabei hofft sie auf weitaus bessere Stadion-Stimmung als zuletzt: »Die Russen sind als sportbegeistertes Publikum bekannt. Daher bin ich überrascht, dass die Arena nicht ausverkauft ist und die Stimmung nur selten hochkocht. Man sieht so gut wie keine Werbung für diese Veranstaltung in der Stadt. Nach dem Sieg der Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa hat man aber gemerkt, dass die Russen, die im Stadion waren, auch anders können. Da wir am Schlusstag unsere Rennen laufen werden, bin ich optimistisch, dass das Stadion voll und die Stimmung gut sein wird«, sagt Weit, die sich neben den Sprintwettkämpfen vor allem für den Weitsprung interessiert hat.
Pinto scheint auch einen Grund für die fehlende Stimmung ausgemacht zu haben. »Der DJ im Stadion müsste mehr Musik spielen. Bei Olympia in London hat die Musik die Atmosphäre deutlich aufgelockert«, sagt sie. Und auch Weit ist ein echter Musikfan, fällt es ihr doch bei einem guten Lied schwer, sich nicht zu bewegen. »Getanzt haben wir aber bislang nur im Hotelzimmer«, zeigt sich Weit fokussiert. »Wir hatten am Freitag einen freien Tag und jetzt gilt die volle Konzentration unseren hoffentlich beiden Läufen am Sonntag. Aber immerhin habe ich es bei meinem Besuch am Roten Platz schon geschafft, meinem Trainer Thomas Prange, meinem Physio und meinem Neffen ein Souvenir zu kaufen«, sagt die Sprinterin. Auch wenn Prange nicht vor Ort ist, so bestimmt er doch den Tag seiner Athletin. »Er hat für mich einen Trainingsplan ausgearbeitet, der mit dem Bundestrainer abgesprochen wurde und nach dem ich hier trainiere«, sagt die Physiotherapeutin, die, in der mit zwölf Millionen Einwohnern größten Stadt Europas, auch familiär auf sich gestellt ist. »Das hat den einfachen Grund, dass meine Schwester hochschwanger ist und daher die ganze Familie zuhause geblieben ist. Im nächsten Jahr findet die EM in Zürich statt, da werden sicher wieder alle dabei sein«, meint Weit.
Nach einem gelungenen Staffellauf am Sonntag darf dann sicher auch außerhalb des Hotelzimmers getanzt werden.
Quelle: Westfalenblatt 17.08.2013




