Dienstag, 10. März 2026

Weit mischt die Szene auf

LEICHTATHLETIK: LC-Ass greift bei der deutschen Meisterschaft nach einer Medaille
VON FRANK BEINEKE
 

LC-Sprinterin Inna Weit und Trainer Thomas Prange

Paderborn. 2002 hatte in Wattenscheid die Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft stattgefunden. Die 13-jährige Inna Weit vom LC Paderborn stand damals als Fan auf der Tribüne, um unter anderem ihren Trainer Thomas Prange im 100-Meter-Sprint anzufeuern. Zehn Jahre später steigen in der Wattenscheider Lohrheide an diesem Wochenende erneut die nationalen Titelkämpfe. Diesmal ist Thomas Prange fürs Anfeuern zuständig. Und Inna Weit nimmt Starts über 100 und 200 Meter sowie in der Sprintstaffel in Angriff.

Die mittlerweile 23-jährige Paderbornerin wird sich dabei nicht mit einer Nebenrolle begnügen. Inna Weit ist vielmehr in dieser Saison in die deutsche Sprint-Elite vorgedrungen. Den vorläufigen Höhepunkt einer tollen Entwicklung gab’s am vergangenen Samstag in Mannheim: Mit 23,08 Sekunden pulverisierte Weit bei der DLV-Olympia-Qualifikation ihre persönliche Bestzeit über 200 Meter (wir berichteten). Damit kletterte die LC-Athletin auf Rang zwei der DLV-Jahresbestenliste. Zugleich avancierte sie zu einer heißen Medaillenkandidatin für die deutschen Meisterschaften.

 

„Natürlich will ich in Wattenscheid nun eine Medaille holen. Denn ich war noch nie so nah dran“, betont Weit, die derzeit die nationale Sprintszene aufmischt. Mit ihrer Bestzeit von Mannheim hat sie glänzende Chancen auf ein Ticket für die Europameisterschaften in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli). Zudem schaffte die Paderbornerin damit den Sprung in den deutschen B-Kader.

Und selbst die Olympischen Spiele in London sind keine Utopie mehr. Die A-Norm des Deutschen Leichtathletikverbandes über 200 Meter steht zwar bei 22,85 Sekunden und dürfte nicht zu erreichen sein. Doch Weit ist eine ernsthafte Kandidatin für die deutsche 4 x 100-Meter-Staffel, für die sechs Athletinnen nominiert werden. Und so wird die 23-Jährige auch in Wattenscheid über die kürzere Sprintdistanz starten. Erstes Ziel ist hierbei die Qualifikation fürs A-Finale der besten Acht.

Bei der Deutschen Meisterschaft 2011 hatte Inna Weit über 200 Meter den Endlauf erreicht und war Achte geworden. Am Vorhaben, die 24-Sekunden-Marke zu unterbieten, war sie im vergangenen Jahr aber auch aufgrund widriger Wetterbedingungen gescheitert. Doch schon in der jüngsten Hallensaison hatte sich angedeutet, dass in diesem Sommer der Knoten platzt.

Und so kommt die Leistungsexplosion auch für Thomas Prange keineswegs unerwartet. „Inna hat sich schließlich von Jahr zu Jahr gesteigert“, sagt der LC-Coach, der im Training nicht viel umgestellt hat. „Wir haben lediglich die Arbeit im Kraftbereich etwas intensiviert“, sagt Prange und lobt seine pfeilschnelle Schülerin: „Inna kann sich glänzend auf Wettkämpfe konzentrieren. Und sie ist keine Mimose.“

Die LC-Sprinterin ist hierbei nicht nur im Training ausgesprochen fleißig. Im Gegensatz zum Großteil ihrer Konkurrentinnen ist Inna Weit auch voll berufstätig. Die 23-Jährige arbeitet als Physiotherapeutin in der Paderborner „Praxis für Physiotherapie und Gesundheit“. „Mein Arbeitgeber unterstützt mich super. Und wenn’s bei mir zwickt, bin ich gleich in bester Behandlung“, schmunzelt Weit, die auch künftig kein Vollprofitum anstrebt. „Ich werde auf jeden Fall weiter arbeiten. Denn ich mache gerne, was ich mache“, bekräftigt die LC-Athletin.

Am Wochenende sollte Inna Weit es allerdings tunlichst anders machen als ihr Trainer. Denn Thomas Prange hatte 2002 bei der Deutschen Meisterschaft in Wattenscheid das A-Finale über 100 Meter verpasst. Da konnten auch die Anfeuerungsrufe von Inna Weit nicht helfen.