Dienstag, 10. März 2026

Hübsche Hoffnungen

Leichtathletik: Sinje Florczak und Inna Weit vom LC Paderborn auf EM-Kurs

Von Elmar Neumann
H a m b u r g / P a d e r b o r n

 

Sinje Florczak - LC Paderborn

Zuhause ist Sinje Florczak an der Hamburger Alster. Aber sie startet wieder für Paderborn. (Foto: Olaf Rößler)

 

(WB). Sie freuen sich auf Wattenscheid, hoffen auf Helsinki und träumen von London: Weitspringerin Sinje Florczak und Sprinterin Inna Weit – urplötzlich hat der LC Paderborn wieder zwei Vorzeigeathletinnen formidablen Formats.

Zwei Leistungsexplosionen und ihre viel versprechenden Folgen. Florczak katapultierte sich Ende Mai in Wesel mit einem 6,64 Meter weiten Satz auf Rang drei der deutschen Bestenliste. Weit war am Samstag in Mannheim nicht zu bremsen und rangiert nach lediglich 23,08 Sekunden über die 200 Meter sogar auf Rang zwei des nationalen Rankings. Die 25-Jährige springt so weit wie nie, die 23-Jährige läuft so schnell wie nie und das beschert so gute Aussichten wie nie, hätten die beiden hübschen Hoffnungsträgerinnen doch – Stand jetzt – eines der je drei Tickets für die Europameisterschaften in der finnischen Hauptstadt (27. Juni bis 1. Juli) sicher. An diesem Wochenende gilt es, die schwer verdienten Positionen bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Lohrheidestadion zu behaupten. Am Montag werden die Finnland-Fahrkarten ausgehändigt. Das psychologische Plus der beiden Paderbornerinnen: Sie haben die Norm bereits erfüllt. Normal ist das nicht. Das gilt insbesondere für Sinje Florczak. Die war einst Deutsche Jugend-Meisterin im Weitsprung, ehe sie sich in der vermeintlich richtungsweisenden Phase ihrer Karriere eine zweieinhalbjährige Auszeit gönnte, die Weiten und Perspektiven wie in diesen Tagen nahezu auszuschließen schien. »Ganz ehrlich, ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich in der Zeit joggen gewesen bin, aber ich brauchte die Pause und sie hat mir total gut getan«, sagt Florczak. Weiter ging es erst, als es auch für ihren Vater und Coach Uwe Florczak weiter ging. Der ist seit 2007 Weitsprung-Bundestrainer der Männer und zog 2009 von Paderborn nach Hamburg. Die Tochter zog mit und stieg noch im Herbst desselben Jahres wieder ins Training ein. Erst aus Spaß an der Freude, eine entspannte Einheit pro Woche. Dann immer öfter, immer intensiver, je weiter es ging. Und es ging schnell immer weiter. 2010 waren es 6,27 Meter, 2011 schon 6,46 und nun sind es diese 6,64 Meter. Vielen Dank für die Auszeit. »Ich bin mit ganz anderem Ehrgeiz, ganz anderer Motivation bei der Sache«, sagt die Wahlhamburgerin, die ausschließlich an der Elbe trainiert, aber aus finanziellen und emotionalen Gründen seit dieser Saison wieder für ihren Heimatverein LC Paderborn statt für den HSV startet.

Sinje Florczak - LC Paderborn

Die 25-jährige Sinje Florczak ist Ende Mai in Wesel 6,64 Meter weit gesprungen (Foto: Eibner)

Mit der neuen Bestweite ist Florczak neben der Lokalmatadorin Sosthene Moguenara (TV Wattenscheid, 6,88 Meter) und der Ranglistenzweiten Melanie Bauschke (LG Berlin, 6,68 Meter) im Bochumer Stadtteil eine der Topfavoritinnen auf Edelmetall und die EM-Tickets. Zumal die hinter ihr platzierten Bianca Kappler (LC Rehlingen) und Trainingskollegin Anika Leipold (Hamburger SV) verletzt passen müssen. Spannend wird’s bei der historisch hohen Dichte im deutschen Damen-Weitsprung trotzdem – im Hinblick auf Helsinki, aber auch auf die Olympischen Spiele in London, denn selbst die liegen für Florczak nicht mehr außer Reichweite, wie die wissenschaftliche Aufarbeitung des weiten Satzes von Wesel belegt. Da verschenkte die Paderbornerin am Brett elf Zentimeter, so dass sie effektiv sogar 6,75 Meter überwunden hat und genau diese Weite entspricht der Olympia-Norm.

 

Inna Weit - LC Paderborn

Inna Weit kann es kaum fassen. In Mannheim läuft sie die 200 Meter in 23,08 Sekunden

Über die 200 Meter liegt die magische Marke bei 22,85 Sekunden. Das scheint selbst für die schnellste Inna Weit aller Zeiten, die ihre Bestzeit in Mannheim um 0,38 Sekunden steigerte, noch zu viel. Trotzdem muss Olympia 2012 kein Traum bleiben, rechnet sich der Schützling von Trainer Thomas Prange doch Chancen auf einen Platz in der 4×100-Meter-Staffel aus. Dafür möchte sie sich bei den Deutschen nicht nur über ihre Spezialdistanz, die 200 Meter (»Da will ich eine Medaille«), und die 100 Meter, sondern zudem mit dem Sprint-Quartett des LC empfehlen. Für das nimmt am Samstagnachmittag auch Sinje Florczak den Staffelstab in die Hand. Dann machen die Vorzeigeathletinnen des Leichtathletik-Clubs Paderborn sogar gemeinsame Sache. So freuen sie sich auf die DM in Wattenscheid, hoffen auf die EM in Helsinki und träumen von den Olympischen Spielen in London.

Quelle: Westfalen-Blatt