Montag, 02. August 2021

„Das wird bestimmt lustig“

Monika Zapalska vom LC Paderborn starten am 1./2. Mai bei den World Athletics Relays im polnischen Chorzów.

Für Monika Zapalska sind die World Athletics Relays am 1./2. Mai im schlesischen Chorzów „etwas ganz Besonderes“. Schließlich ist die 26-Jährige Hürdensprinterin des LC Paderborn in Polen geboren, in Danzig. Um sich bestmöglich auf die inoffiziellen Staffel-Weltmeisterschaften vorzubereiten, hat das 38-köpfige Deutsche Aufgebot am Sonntag ein Trainingslager im olympischen Trainingszentrum Kienbaum bezogen. Bis Donnerstag werden im Brandenburgischen vor allem Wechsel geprobt.

Monika Zapalska ist neben Erik Balnuweit (TV Wattenscheid), Ricarda Lobe (MTG Mannheim), Yannick Spissinger (MTG Mannheim), Gregor Traber (LaV Stadtwerke Tübingen), Anne Weigold (LG Mittweida) für die mixed-Hürdenstaffel vorgesehen. „Dieses Format ist für mich ganz neu. Es laufen zwei Männer und zwei Frauen. Das wird bestimmt lustig.“

Es war im November 2019, als Monika Zapalska nach fünf Jahren beim TV Wattenscheid ein neues Umfeld für sich suchte, um nochmal anzugreifen. Ihre Hoffnung hatte einen Namen: Thomas Prange. Unter der Anleitung des renommierten LC-Trainers wollte sie ihre Sprinttechnik verfeinern, Nuancen entscheidend verändern. „Das habe ich gebraucht. Und ich erkenne Unterschiede. Wir sind auf einem guten Weg“, findet die Studentin (Sport und Fitness), die drei- bis viermal in der Woche von ihrem Wohnort Bochum in den Ahorn-Sportpark pendelt. Mitunter hakt es an Winzigkeiten.
„Ist die Technik da, fehlt es an Geschwindigkeit. Oder umgekehrt.“ Vor  allem aber muss immer diese gewisse Aggressivität mitlaufen. „Es muss  klick machen. Dann geht‘s ab!“ Auch wenn sie im roten Paderborner Dress schon gute Zeiten erzielt und auch DM-Medaillen erkämpft hat – 2016 bleibt bislang unerreicht: erreicht. In dem Jahr stellte sie Leipzig (8,11 Sekunden) und Weinheim (13,21 Sekunden) ihre bis heute gültigen Bestzeiten über die 60 Meter Hürden und 100 Meter Hürden auf. „Damals hat einfach alles  gepasst“.

Als Elfjährige war Monika Zapalska mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen. Ein Jahr später begann beim TuS 08 Lintorf ihre Leichtathletik-Laufbahn; mit Biss und Fleiß. „Die geht ab wie eine Rakete. So etwas habe ich in meiner 30-jährigen Trainerlaufbahn noch nie erlebt“, schwärmte damals ihr erster Trainer Klaus Wolter und orakelte: „Wenn Monika ihr Potenzial abrufen kann, dann hat sie gute Chancen auf die Deutsche Meisterschaft.“ Kennerblick. 2010 gewann sie die 100 Meter Hürden der Weiblichen Jugend U18. Von 2011 bis 2013 wurde sie dreimal Vizemeisterin ihrer Altersklasse. In der Halle holte sie 2012 und 2013 U20-DM-Silber. Bei Deutschen U23-Meisterschaften über 100-Meter-Hürden errang sie dreimal (2013, 2015, 2016) die Silbermedaille. Auch auf internationalem Terrain rockte sie. Zapalska nahm an den Leichtathletik-Junioren-Europameisterschaften im italienischen Rieti teil (2013). Im Finale über die 100 Meter Hürden sprang Position sieben heraus. Größter Erfolg in  Jugendjahren war wohl die Silbermedaille beim Europäischen Jugendolympiafestival 2011 im türkischen Trabzon in 13,52 Sekunden über die Hürden.

Corona verlangt dem Sport und den Sportlern einiges ab. „Es ist eine verrückte Zeit“, sagt Monika Zapalska. Sie ist unverändert zentriert, ihre große Stärke. „Wenn ich auf der Bahn stehe, habe ich den Tunnelblick. Dann bin ich voll fokussiert auf mich, und mir ist egal, wer links oder rechts
neben mir steht.“ Noch ist ihr großer Traum auf eine Olympia-Teilnahme nicht kristallisiert – aber er lebt weiterhin. „Ich möchte in diesem Jahr eine neue Bestleistung aufstellen. Das Potenzial dafür habe ich“, sagt sie bestimmt und flirtet mit einer Zwölf vor dem Komma. Es wäre das erste Mal, dass sie diese magische Marke knackt. 12,84 Sekunden beträgt die offizielle Norm für Tokio, die bis Ende Juni erbracht sein muss. „Ich kann das. Dafür braucht es ein Stückchen Arbeit. Ich muss Gas geben.“ Vielleicht glückt das Husarenstück ja am 22. Mai im Sepp-Herberger-Stadion zu Weinheim bei der BuS Kurpfalz Gala. Zwei Tage später feiert sie ihren 27. Geburtstag.

Um Druck aufzubauen trainiert Monika Zapalska mangels adäquater Hürden-Konkurrenz in Paderborn regelmäßig mit der namhaften Flachsprint-Riege, den Pintos, Kwadwos und Co. „Die sind ein Stückchen vor mir. Das ist super, gut für den Kampf.“ […]

Quelle: Jörg Manthey – Westfalen-Blatt Nr. 97, 27.04.2021