Donnerstag, 15. April 2021

„Am Ende wird alles gut“ – Sprinterin Alina Kuß über ihre Erfahrungen in Pandemie-Zeiten

Meine Corona-Pause, Folge 15: Die Zeit der Extremsituation hat Alina Kuß ermutigt, „mich mit mir und meinem Platz in dieser Welt auseinanderzusetzen.“ Sprinterin des LC Paderborn blickt gespannt auf die Zukunft.

Sprinterin Alina Kuß ist regulär bei Wettkämpfen flott unterwegs

Paderborn. Je schneller unterwegs, umso ausgebremster: Die Corona-Pandemie setzt Alina Kuß, Sprinterin des LC Paderborn, in besonderer
Weise zu und hat sie auf sich selbst zurückgeworfen. Die 25-Jährige hat die Lockdown-Qualität zu nutzen gewusst und ist sich total sicher, wenn sie in Folge 15 unserer Serie „Meine Corona-Zeit“ sagt: „Ich mache mehr denn je mein eigenes Ding!“ Alina Kuß (25) studiert an der Universität Paderborn Sport und Deutsch auf Lehramt.

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?
Vor Weihnachten ist ein Familienmitglied erkrankt, zum Glück aber nur mit leichten Grippesymptomen. Nach zwei Wochen, gefühlten zwei Jahren, konnten wir alle wieder das Haus verlassen.

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?
Die beschränkten Trainingsmöglichkeiten und der klägliche Versuch, seine ehemals gute Form zu erhalten, haben in den vergangenen Monaten wohl eher zu Unzufriedenheit und Frust geführt. Sowohl Trainer als auch Athleten mussten unglaublich viel improvisieren und kreativ werden.

Nach langer Abstinenz ist das Training im Stadion für Leistungsathelten wieder möglich

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?
Sport tut den Menschen gut. Alleine eingesperrt im Haus zu verweilen, löst bei so vielen Leuten Frustrationen, Ängste und Unzufriedenheiten aus, die ebenfalls krank machen. Im Alltag begegnen mir immer mehr gereizte und teilweise sogar aggressive Personen. Sport würde helfen, auch diese Extremsituation gelassener zu meistern. Gerade im Freien sollte das doch kein Problem darstellen, oder?


Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzlerin sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?
Wenn ich für einen Tag Bundeskanzlerin wäre, würde ich der Nation einen Satz sagen, den mir meine Freundin sagt, wenn die Welt Kopf steht: „Am Ende wird alles gut.“


Was tun Sie und wo tun Sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?
Nun ist es mir nach monatelanger Abstinenz wieder gestattet, das Stadion des Ahorn-Sportparks und dessen Gegebenheiten zu nutzen, um mich körperlich fit zu halten. Zuvor waren es Berge zum Hochsprinten, Mauern zum Raufspringen, Treppen zum Hochlaufen oder die Klimmzugstange
in meiner Badezimmertür, die mich fit hielten. Zur geistigen Fitness hat die Uni dieses Jahr nicht zu knapp beigetragen.

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?
Meine Ansicht auf mich und die Welt hat sich definitiv massiv geändert. Ich hatte viel mehr Zeit, mich mit mir und meinem Platz in dieser Welt auseinanderzusetzen. Zeit, um zu begreifen, wer ich bin und was ich im Leben noch möchte. Ich verstehe nun wirklich – und sag es nicht wie eine altbekannte Floskel vor mich her – dass das Leben zu kurz ist, um auf die Meinung anderer Wert zu legen. Ich mache mehr denn je mein eigenes Ding!

Auch in der Freizeit gerne sportlich unterwegs – Das Skateboard bringt viel Spaß in den Alltag


Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?
Da fallen mir gleich mehrere Optionen ein. Am liebsten in den Armen meiner Freundin, in der Heimat bei meiner Familie oder – wenn das Reisen wieder möglich ist – in Südfrankreich am Atlantik.


Welches Buch lesen Sie gerade?
Tatsächlich drücke ich mich als Deutsch-Studentin vor dem Lesen und höre mir lieber Hörbücher an: „Ich bin dann Mal weg!“ Von Hape Kerkeling – das könnte auch mein derzeitiges Motto sein.


Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?
Auf jeden Fall wünsche ich mir ein Riesenstück der „Normalität“ zurück. Natürlich in sportlicher Sicht, da brauchen wir alle Wettkämpfe, aber auch privat. Ich wünsche mir, mal wieder mit meinen Freunden feiern zu gehen, ohne sich Sorgen um die Einhaltung von Regeln oder eventuellen Folgen machen zu müssen. Ich blicke gespannt auf die Zukunft, wieviel von dieser „alten Zeit“ zurückkehren wird.


Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?
„Geh du mal weg!“

 

Quelle: Westfalen-Blatt Nr. 71 (25. März 2021)