Mittwoch, 17. Oktober 2018

Tatjana Pinto im EM Einsatz

Paderborn. Tatjana Pinto hatte sich schon zu einem frühen Zeitpunkt dieser Saison in Topform präsentiert. Anfang Juni meisterte die Sprinterin vom LC Paderborn die 100 Meter beispielsweise ohne Windunterstützung in 11,11 Sekunden. Die Perspektiven für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin waren glänzend. Doch wenn Pinto am heutigen Dienstag gegen 19.05 Uhr im EM-Halbfinale über 100 Meter startet, gibt es ein paar dicke Fragezeichen. Denn Schmerzen am Sitzbeinhöcker machen der 26-Jährigen seit einigen Wochen zu schaffen.

„Ich lasse mich selbst überraschen“, sagt ihr Trainer Thomas Prange und fügt an: „Ich wäre schon sehr zufrieden, wenn Tatjana das Finale erreicht. Anfang der Saison hatten wir zwar noch ehrgeizigere Pläne. Aber jetzt müssen wir einfach sehen, was überhaupt drin ist.“ Immerhin: Die letzten Trainingseinheiten liefen vielversprechend. Auch bei der finalen EM-Vorbereitung in Kienbaum machte Pinto in der vergangenen Woche einen guten Eindruck. „Tatjana ist fit“, betont Prange.

»So eine erste Runde zum Einrollen wäre nicht schlecht gewesen«

Es fehlt jedoch die Wettkampfpraxis. Und so hätte Tatjana Pinto eigentlich schon am Montag liebend gern auf der blauen Bahn des Berliner Olympiastadions gestanden. Da nämlich standen die Vorläufe über 100 Meter auf der Agenda. Doch Pinto zählt zu den zwölf Athletinnen, die mit den schnellsten Meldezeiten automatisch fürs Halbfinale qualifiziert sind. Mit ihren 11,11 Sekunden rangiert die Paderbornerin auf Platz acht.

„So eine erste Runde zum Einrollen wäre nicht schlecht gewesen. Dadurch hätte Tatjana Sicherheit bekommen können“, sagt LC-Coach Prange, der einen harten Kampf um die Endlauf-Tickets erwartet: „Das Feld ist extrem eng. Es gibt locker 15 Athletinnen, die das Zeug fürs Finale haben.“ Topfavoritin ist die Britin Dina Asher-Smith (10,92 Sekunden), die in diesem Jahr bereits drei Mal die Elf-Sekunden-Marke geknackt hat. Doch auch die Schweizerin Mujinga Kambundji (10,95), die niederländische Titelverteidigerin Dafne Schippers (11,01) und DLV-Hoffnung Gina Lückenkemper (11,07) werden heiß gehandelt.

Bei der EM 2016 in Amsterdam war Pinto in 11,27 Sekunden ins Finale gestürmt. Thomas Prange geht davon aus, dass diesmal wohl eine Zeit unter 11,20 Sekunden her muss, um heute um 21.30 Uhr im Endlauf dabei zu sein. Im besagten Finale 2016 landete Pinto mit Adduktorenproblemen auf dem sechsten Platz. Diesmal sollte bei der Heim-EM in Berlin eigentlich etwas mehr her – wenn da nicht die Verletzungssorgen wären.

»Wir wollen kein Risiko für die Staffel eingehen«

Die Entzündung im Sitzbeinhöcker sorgte auch dafür, dass Pinto ihren EM-Start über die 200 Meter absagte. Dabei hätte Pinto als Nummer elf der Meldeliste auch hier automatisch im Halbfinale gestanden. „Es macht aber einfach keinen Sinn“, sagt Prange und verweist darauf, dass gerade das Training für die längere Sprintdistanz unter den besagten Verletzungsproblemen gelitten hat. „Zudem wollen wir kein Risiko für die Staffel eingehen“, erläutert der Paderborner Erfolgscoach.

Denn einen Tag nach dem 200-Meter-Finale steigt am Sonntag die Entscheidung über 4 x 100 Meter. Und da wollen Pinto, Lückenkemper und Co. nach einer Medaille greifen. „Tatjana wird vermutlich an Position drei starten“, berichtet Prange. Die endgültige Aufstellung steht aber noch nicht fest. Mit der Staffel erlebte Tatjana Pinto bei Europameisterschaften schon die ganze Palette an Emotionen. 2012 in Helsinki gab’s den Titel. Zwei Jahre später folgte in Zürich das Aus im Vorlauf. 2016 in Amsterdam holte das DLV-Quartett Bronze hinter den Niederlanden und Großbritannien. Nun soll möglichst wieder Gold her. In diesem Fall würde Tatjana Pintos schwierige Saison doch noch mit einem Happy-End gekrönt.

Quelle: Neue Westfälische