Sonntag, 26. September 2021

Auf die Golden Girls ist verlass

LEICHTATHLETIK: Chantal Butzek und Mareen Kalis sichern sich erneut die deutschen Meistertitel

VON FRANK BEINEKE

Neubrandenburg/Paderborn. Chantal Butzek und Mareen Kalis sind gerade einmal 17 Jahre alt. Dennoch haben die beiden Leichtathletik-Asse vom LC Paderborn bereits zahlreiche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene gefeiert. Am Wochenende konnten sie ihre eindrucksvollen Medaillensammlungen erweitern. Bei den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Neubrandenburg verteidigte Kalis souverän ihren Titel über 800 Meter. Butzek wurde derweil erneut Deutsche U20-Hallenmeisterin über 60 Meter und holte zudem Silber über die 60 Meter Hürden.

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Gold über 800m: Mareen Kalis

„Es ist super gelaufen“, strahlte LC-Coach Michael Krusemark nach einem 800-Meter-Rennen, in dem Mareen Kalis gestern eindrucksvoll untermauerte, dass sie beidenU20-Juniorinnen die Nummer eins in Deutschland ist. In 2:07,58 Minuten dominierte die 17-Jährige aus Schloß Neuhaus die Konkurrenz um U20-WMTeilnehmerin Sarah Schmidt. Die Mönchengladbacherin hatte als Zweite am Ende knapp zwei Sekunden Rückstand auf die Titelverteidigerin.

Kalis hatte allerdings eigentlich gehofft, dass sie diesmal nicht das Tempo machen muss. Doch mit Alina Ammann fehlte eine starke Konkurrentin wegen eines grippalen Infekts. Und die 18-jährige Sarah Schmidt hatte offensichtlich kein Interesse an einem schnellen Rennen. „Die erste Runde war total verbummelt“, urteilte Mareen Kalis, die sich daher bereits nach 180 Metern an die Spitze setzte und fortan ihr eigenes Rennen lief. Schmidt wagte zwar nach 600 Metern noch einmal einen Angriff. Doch Kalis wehrte diesen ab und zog unaufhaltsam davon. Am Ende blieb sie mit neuer Saisonbestleistung unter der 2:08-Minuten-Marke. „Ich denke aber, dass ich noch schneller laufen kann. Aber ich wollte unbedingt meinen Titel verteidigen. Und das hat geklappt“, resümierte Kalis.

Mit Neuzugang Kim Uhlendorf stand eine weitere Athletin vom LC Paderborn im Finale über 800 Meter. Die 17-Jährige wurde in 2:18,18 Minuten Siebte. „Die Zeit ist absolut in Ordnung, zumal Kim in den vergangenen drei Wochen aufgrund von Fersenproblemen kaum trainieren konnte“, erläuterte ihr Coach Michael Krusemark.

Gold und Silber: Chantal Butzek

Jede Menge Grund zur Freude hatten zudem die Trainerkollegen Thomas Prange und Michael Gaentzsch. Denn deren Schützling Chantal Butzek präsentierte sich im Neubrandenburger Jahnsportforum in Topform. Vor dem Gold, das die Paderbornerin am Sonntag über 60 Meter holte, hatte sich Butzek am Samstag selbst überrascht. Denn über 60 Meter Hürden lief es besser als erwartet. In 8,43 Sekunden erzielte die LC-Athletin im Finale die zweitbeste U20-Hürdenzeit ihrer Karriere.

Nur Topfavoritin Viktoria Müller vom SCC Koblenz-Karthause war in 8,38 Sekunden schneller. „Dabei war ich total unvorbereitet“, wunderte sich Butzek über ihren Gala-Auftritt. So hatte sie mit ihrem Hürden-Coach Michael Gaentzsch nur eine spezifische Trainingseinheit über die Hindernisse absolviert. Doch die Technik hatte bereits im Vorlauf, den Butzek in 8,50 Sekunden meisterte, funktioniert.

Im Finale war sie dann noch einmal sieben Hundertstel schneller. Allerdings war die 17- Jährige mit dem linken Knie gegen die dritte Hürde gestoßen. Folge: Butzek konnte ihr linkes Bein fortan nicht mehr richtig strecken, so dass sie am Sonntag gehandicapt in die Rennen über die 60 Meter flach ging. „Aber die Physios haben ganze Arbeit geleistet“, berichtete die Paderbornerin, die sich auf dem Weg zur Titelverteidigung problemlos fürs Finale der besten Acht qualifizierte.

In dem wurde Butzek richtig gefordert, denn ihre Konkurrentinnen Lisa Mayer (7,41 Sekunden), Tracey Schulz und Keshia Kwadwo (jeweils 7,46 Sekunden) pulverisierten ihre persönlichen Bestzeiten. Die Titelverteidigerin ließ sich davon aber nicht beeindrucken und flog in 7,38 Sekunden zum Gold. „Dabei hatte Chantal den Start verpennt, was ihr eigentlich nie passiert. Sonst wäre sie wohl noch ein knappes Zehntel schneller gewesen“, so Trainer Thomas Prange. Dennoch war es auch über die 60 Meter flach ihre bislang zweitschnellste Zeit. „Wir haben eine Menge an der Technik gefeilt. Und die 60 Meter haben super viel Spaß gemacht“, schwärmte Chantal Butzek und zog ein Gesamtfazit der Hallen-Titelkämpfe: „Ich bin total zufrieden.“

Zufriedenheit herrschte auch bei Vereinskollegin Estelle Potthast. Die 15 Jahre junge LCSprinterin aus Bredenborn (Kreis Höxter) stellte in ihrem 60-Meter-Vorlauf in 7,90 Sekunden eine Saisonbestleistung auf und bewies hierbei viel Nervenstärke. Denn nach diversen Protesten hatte eben jener Vorlauf wiederholt werden müssen. Am Ende konnte Potthast mit der Qualifikation für die Zwischenrunde ein persönliches Erfolgserlebnis feiern. Noch besser lief es bei Hürdensprinterin Karen Schiwon. Als Nummer 21 der Meldeliste landete die Paderbornerin auf dem zehnten Rang. In 8,90 Sekunden blieb Schiwon im Vorlauf zudem erstmals unter der Neun-Sekunden-Marke. Abgerundet wurde das gute Abschneiden des LC Paderborn von den beiden 4 x 200-Meter-Staffeln. Diese schieden zwar erwartungsgemäß in den Vorläufen aus. Doch die U20-Juniorinnen vom LC blieben satte 1,5 Sekunden unter ihrer Hallenbestzeit. Die Junioren drückten ihre Bestmarke um vier Zehntel nach unten. „Das war nicht verkehrt“, lobte LCCoach Thomas Prange.

Über Karlsruhe geht´s nach Lyon

Für Chantal Butzek und Mareen Kalis ist die Leichtathletik-Hallensaison noch nicht beendet. Auf die frischgebackenen deutschen U20-Meisterinnen vom LC Paderborn wartet am kommenden Wochenende noch ein weiteres Highlight. So wird Butzek bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe (21. und 22. Februar) über 60 Meter starten und dabei einen Platz im A-Finale anpeilen. Auch Kalis hat sich nach ihrem gestrigen Sieg in Neubrandenburg dafür entschieden, in Karlsruhe über 800 Meter mitzumischen. Die beiden 17-jährigen Paderbornerinnen wollen dann ihre persönlichen Hallenbestleistungen angreifen. „Wenn ich ein schnelles Rennen erwische, kann ich vielleicht unter 2:06 Minuten bleiben“, sagt Mareen Kalis. „Ich möchte in Karlsruhe unter 7,30 Sekunden laufen“, erklärt  Chantal Butzek.

Eine Woche später geht es für Mareen Kalis nach Lyon. Dortsteigtam28.Februarund 1. März der U20-Länderkampf zwischen Frankreich, Italien und Deutschland. Kalis will über 800 Meter möglichst viele Punkte für den Deutschen  Leichtathletikverband sammeln. Chantal Butzek verzichtet dagegen freiwillig auf ihren Länderkampf-Start über 60 Meter. „Es fälltmirzwar schwer. Aber die Schule geht vor“, sagt die 17-Jährige vom Gymnasium St. Michael, die mitten in einer Klausurphase steckt.

Quelle: Neue Westfälidsche Lokalsport NR. 39, MONTAG, 16. FEBRUAR 2015