Freitag, 18. Oktober 2019

Mit Bravour zu Bronze

LEICHTATHLETIK: Kalis sichert sich in einem packenden 800-Meter-Finale eine Olympia-Medaille

VON FRANK BEINEKE

 

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Mareen Kalis – LC Paderborn

Mit der neuen Bestmarke von 2:05,67 Minuten war das LC-Ass aus Schloß Neuhaus als Vorlauf-Schnellste ins Finale gegangen. Dort setzte Kalis auf eine bewährte Taktik. „Das Rennen lief eigentlich wie geplant“, erklärt Trainer Michael Krusemark. Denn dessen Athletin lag nach der ersten Runde wie schon im Vorlauf in Lauerstellung, um gut 200 Meter vor dem Ziel einen Angriff zu starten. Doch während Kalis im besagten Vorlauf die Konkurrenz mühelos distanzierte, fing sie sich diesmal einen Konter ein.

„In einem solchen Finale laufen halt die Besten der Welt“, kommentiert Krusemark den weiteren Rennverlauf. Denn Martha Bissah (Ghana) marschierte einen Tag vor ihrem 17. Geburtstag unaufhaltsam davon und stürmte in der persönlichen Bestzeit von 2:04,90 Minuten zu Gold. Mareen Kalis schien derweil Silber bereits in der Tasche zu haben, doch auf den letzten Metern zog Hawi Alemu Negeri (Äthiopien) noch innen an ihr vorbei. Mit der sehenswerten Zeit von 2:06,03 Minuten lag das LC-Ass ganze zwei Hundertstel hinter Negeri. „Am Ende fehlte Mareen einfach die Kraft, um den Angriff der Äthiopierin abzuwehren“, berichtet Krusemark.

 „Ich bin ziemlich erschöpft. Richtig glücklich bin ich wahrscheinlich erst morgen“, betonte Kalis unmittelbar nach dem Rennen, bei dem knapp 30 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit geherrscht hatten. Am folgenden Tag war sie dann tatsächlich überglücklich, denn da durfte die Schloß Neuhäuserin im Olympiastadion von Nanjing ihre Bronzemedaille in Empfang nehmen. In eben jenem Stadion waren am Samstag gut 20.000 Zuschauer gewesen. „Vor so vielen Leuten zu laufen ist etwas ganz anderes – viel besser als bei der Junioren- WM im letzten Jahr“, schwärmt Kalis, die die Olympischen Jugendspiele in den nächsten Tagen in vollen Zügen genießen kann. Denn erst am Freitag geht es zurück nach Deutschland.

„Wir werden Mareen einen gebührenden Empfang bereiten“, verspricht der LC-Vorsitzende Ulrich Woischner, der seine Vorzeigeathletin in den höchsten Tönen lobt: „Beste Europäerin, fantastische Zeiten und die Bronzemedaille. Das ist ein super Erfolg. “Und vielleicht sei es sogar von Vorteil, dass Mareen Kalis in Nanjing nicht der ganz, ganz große Wurf gelungen sei.  „Denn wenn man in so jungen Jahren schon Olympiasiegerin wird, kann der Druck auch schnell zu groß werden“, mutmaßt Woischner. Ehrgeizige Ziele aber wird sich Mareen Kalis sicherlich auch künftig setzen.

Quelle: Neue Westfälische Lokalsport Nr. 196, 25. August 2014