Freitag, 18. Oktober 2019

Alles ist drin

LEICHTATHLETIK: Mareen Kalis zählt bei Jugend-Olympia zum Favoritenkreis
 
 
Mareen Kalis hat eine exzellente Saison bestritten und zuletzt gut trainiert. Dementsprechend zuversichtlich geht sie heute in ihren Vorlauf über 800 Meter. ( Foto: Marc Köppelman)

Mareen Kalis hat eine exzellente Saison bestritten und zuletzt gut trainiert. Dementsprechend zuversichtlich geht sie heute in ihren Vorlauf über 800 Meter. ( Foto: Marc Köppelman)


Paderborn/Nanjing. Heute gilt’s für Mareen Kalis. Die 17-Jährige vom LC Paderborn hat bei den 2. Olympischen Jugend-Sommerspielen im chinesischen Nanjing ihren ersten Auftritt. Um 15.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit (21.15 Uhr Ortszeit) steht ihr Vorlauf über 800 Meter auf der Agenda. Das Ziel ist klar: Mareen Kalis will ins Finale der besten Acht. Und dort könnte an diesem Samstag (15.45 Uhr/MEZ) alles drin sein.

Denn mit ihrer Saisonbestzeit von 2:06,01 Minuten ist die Gymnasiastin aus Schloß Neuhaus sogar die Nummer eins der Meldeliste. Nicht nur deshalb setzt sich Kalis selbst ehrgeizige Ziele. „Ich würde gerne beste Europäerin werden“, sagt die deutsche U18-Meisterin, die dafür unter anderem die Russin Ekaterina Alekseeva und die Belgierin Lotte Scheldeman hinter sich lassen müsste. Hinter diesen beiden Athleten hatte Kalis Ende Mai bei der europäischen Olympia-Quali in Baku Platz drei belegt.

 

In der 5,5-Millionen-Metropole Nanjing trifft das LC-Talent nun auf weitere starke Konkurrentinnen. Vor allem die Afrikanerinnen Agnes Mulee Ngovi (Kenia), Martha Bissah (Ghana) und Hawi Alema Negeri (Äthiopien) sind heiße Medaillenkandidatinnen. Insgesamt starten zwölf Athletinnen, die in dieser Saison schon unter 2:10 Minuten geblieben sind. Die Quali fürs A-Finale wird somit kein Selbstläufer.

Mareen Kalis ist aber guter Dinge. „Die Trainingseinheiten hier in Nanjing liefen sehr gut. Und zum Glück ist es momentan nicht ganz so warm“, berichtet die 17-Jährige. Die aktuellen Temperaturen, die im August schon einmal schnell über die 40-Grad-Marke klettern können, liegen derzeit „nur“ bei 25 bis 30 Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch hoch. „Und die ganze Stadt ist in eine Smogwolke eingehüllt“, sagt LC-Trainer Michael Krusemark, der mit nach China gefahren ist. Allerdings hat er keine Akkreditierung für die Wettkampf- und Trainingsstätten. „Und da die Sicherheitsbestimmungen sehr hoch sind, gibt es kaum Chancen, mit Mareen in direkten Kontakt zu kommen“, erklärt Krusemark.

Seine Athletin absolvierte gestern unterdessen eine letzte Trainingseinheit im Olympiastadion, in dem am Samstag die große Eröffnungsfeier stattgefunden hatte. Die Chinesen ließen sich hierbei mal wieder nicht lumpen. Vor mehr als 50.000 Zuschauern boten rund 4.000 Darsteller eine imposante Show. Zur illustren Gästeschar zählten UN-Generalsekretär Bank-Ki Moon, Chinas Staatschef Xi Jingping und natürlich IOC-Präsident Thomas Bach. „Die Eröffnungsfeier war unglaublich eindrucksvoll. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie gesehen“, betont Kalis, die zudem von der stimmungsvollen Willkommensparty im „Youth Olympic Village“ und den ausgesprochen freundlichen Volunteers schwärmt.

Das Miteinander der Athleten aus aller Welt soll bei den Jugendspielen auch im Vordergrund stehen. Siege, Podestplätze und Bestleistungen sind zwar nicht unwichtig, sollen aber beileibe nicht alles sein. So hat der Deutsche Olympische Sportbund auf eine Medaillenvorgabe verzichtet. Zudem werden bei den Siegerehrungen keine Nationalflaggen gehisst und keine Nationalhymnen gespielt, um die Konkurrenz zwischen den Ländern in den Hintergrund zu rücken. Stattdessen kommen die olympische Fahne und Hymne zum Einsatz. Fester Bestandteil der Jugendspiele ist zudem ein umfangreiches Kultur- und Bildungsprogramm. Deutsche Athleten trafen sich beispielsweise mit chinesischen Studenten, um gemeinsam zu diskutieren und zu feiern. „Ich freue mich riesig auf all die Eindrücke, die ich in Nanjing sammeln kann. Ich war noch nie so weit weg von Zuhause“, sagt Mareen Kalis, die nicht nur von Michael Krusemark nach Nanjing begleitet wurde. Auch ihre Patentante und ihr älterer Bruder Christoph sind vor Ort.

Sie alle werden heute im Olympiastadion live dabei sein, wenn der Vorlauf über 800 Meter ansteht. Dann will Kalis ins A-Finale. Doch falls es nicht klappen sollte, gehe die Welt nicht unter. „Mareen soll Nanjing einfach genießen“, betont Trainer Michael Krusemark.