Dienstag, 04. August 2020

Medaillentraum zerplatz im Vorlauf

LEICHTATHLETIK: Josefina Elsler erlebt als Startläuferin der Sprintstaffel ein trauriges EM-Debüt
VON FRANK BEINEKE
 
 
Paderborn/Zürich. Feiern gegen den Frust. So lautete am Samstagabend das Motto der deutschen Sprinterinnen, die sich ins Züricher Nachtleben stürzten. Denn am Schlusstag der Leichtathletik-Europameisterschaften hatte die deutsche Frauen-Sprintstaffel gestern leider keinen Auftritt mehr. Aufgrund eines Wechselfehlers war der Titelverteidiger bereits im Vorlauf am Samstag ausgeschieden. Und so war auch Josefina Elsler vom LC Paderborn unendlich traurig.
 
„Ich war so froh, dass ich laufen durfte. Und dann passiert so etwas“, ärgerte sich die 23-jährige EM-Debütantin, die von Bundestrainer Ronald Stein als Startläuferin nominiert worden war. Und die LC-Sprinterin machte einen tollen Job. Elsler brachte das deutsche Quartett in eine prima Position. Auch die Staffelstab-Übergabe auf Rebekka Haase verlief reibungslos. Doch dann setzten Haase und Tatjana Pinto den zweiten Wechsel in den Sand. Die Endlauf-Qualifikation war futsch.

 
„Ich hatte befürchtet, dass so etwas passiert“, kommentiert Thomas Prange das Vorlauf-Aus. Zugleich übt der Sprintcoach des LC Paderborn Kritik an der Aufstellung. „Natürlich ist Rebekka läuferisch sehr stark. Aber ihr fehlt die Erfahrung. Und bei solchen Titelkämpfen würde ich immer auf Läuferinnen mit Erfahrung setzen“, sagt Prange. Über eben jene Erfahrung verfügt Inna Weit. Doch die 26-jährige Paderbornerin, die in dieser Saison mit Achillessehnenproblem zu kämpfen hat, war in Zürich nur Ersatzläuferin. Dabei hatte Weit bei der WM 2013 in Moskau (4. Platz), bei der Staffel-Weltmeisterschaft auf den Bahamas (6. Platz) sowie bei der deutschen Jahresbestleistung in Lausanne (42,63 Sekunden) stets zum deutschen Quartett gezählt. „Die Form wäre da gewesen“, berichtet Prange.

Doch so blieb Weit am Samstag nur die Rolle als Trostspenderin. „Rennen kann man verlieren, Freunde nicht“, verkündete die LC-Sprinterin via Facebook und postete ein Foto, auf dem sie ihre gute Freundin Tatjana Pinto umarmt. Eben jene Pinto dürfte ebenso wie Rebekka Haase am kommenden Freitag, 22. August, im Paderborner Ahorn-Sportpark zu Gast sein. Dann bittet der LC Paderborn zur Erstauflage des Sommermeetings. Selbst einige Sprinter aus der deutschen Herrenstaffel, die gestern in Zürich Vize-Europameister wurde, könnten im Ahorn am Start sein.

Auf jeden Fall mit dabei ist Josefina Elsler, die trotz der EM-Enttäuschung auf eine sehr erfolgreiche Sommersaison zurückblicken kann. So steigerte sie ihre 100-Meter-Bestzeit von 11,77 auf 11,33 Sekunden. Auch über 200 Meter drang Elsler in 23,33 Sekunden in neue Leistungsbereiche vor. „Josefina hat alles richtig gemacht“, lobt Thomas Prange seine Athletin, die in diesem Sommer bereits sechs Mal unter 11,40 Sekunden geblieben ist.

Für Inna Weit ist die Saison dagegen vorzeitig beendet. Paderborns Sportlerin des Jahres 2013 will nun erst einmal ihre Achillessehnenprobleme auskurieren. „Das ist das Beste, was wir jetzt machen können. Sonst schleppt Inna die Verletzung noch im Winter mit sich herum“, sagt Thomas Prange. Schließlich gibt’s auch 2015 mit der Weltmeisterschaft in Peking ein sehr lohnenswertes Ziel. Und dort wollen Deutschlands Sprintfrauen einen freudigen Anlass zum Feiern haben.

Quelle: Neue Westfälische 18.08.2014