Freitag, 19. Juli 2019

Stützpunkt Paderborn wird mehr und mehr eine Bob-Hochburg

LC PADERBORN: Trainer Thomas Prange führt Sarah Noll, Axel Christ und Joshua Bluhm an die Weltspitze heran
VON HARTMUT KLEIMANN
 
Die beiden Paderborner Leichtathleten und Bobfahrer Sarah Noll (l.) und Axel Christ (Foto: Marc Köppelmann)

Die beiden Paderborner Leichtathleten und Bobfahrer Sarah Noll (l.) und Axel Christ (Foto: Marc Köppelmann)


Paderborn. „Wir haben hier auch hervorragende Trainingsbedingungen. Eigentlich können wir kommen, wann wir wollen“, nennt Trainer Prange vom LC Paderborn einen nicht unwesentlichen Grund für die Erfolgsstory, die seine Schützlinge aktuell schreiben. Eigentlich sind es Leichtathleten, die sich aber durch ihr Training im Paderborner Ahorn Sportpark und ihre Leistungen in den Fokus einer anderen Sportart geschoben haben: der Bobsport. Joshua Bluhm hat sich im Team von Thomas Florschütz für die Olympiade in Sotschi qualifiziert (siehe auch Bundessport). Dieses Ziel haben Sarah Noll (22) und Axel Christ (23) ganz knapp verpasst. Immerhin aber können sich beide mit Edelmetall trösten, das sie jüngst bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Winterberg holten. Noll mit Bronze, Christ mit Silber dekoriert.
 
Und der verpasste Olympiazug ist für beide keineswegs ein Grund, im Training nachzulassen. „Im kommenden Winter stehen die richtigen Weltmeisterschaften in Winterberg an. Da wollen wir dabei sein“, geben beide recht selbstbewusst zu Protokoll. Auch wenn es natürlich schmerzt, Olympia jetzt am TV verfolgen zu müssen. „Obwohl ich natürlich Joshua die Daumen drücke“, fügt der 23-jährige Maschinenbau-Student Christ an. Wohl wissend, dass in diesem Winter die Entscheidung nur knapp gegen ihn gelaufen ist. „Irgendwie war das ganz schön blöd. Wir waren eigentlich im Oktober auf gleicher Höhe“, meint er seine Konkurrenten um einen Platz in einer der Olympia-Bobs.
Dann aber zwickte bei Christ der Rücken. „Eigentlich war ich komplett fünf  Wochen aus dem Training, genau in der wichtigen Phase vor den Leistungstests in  Oberhof“, wurmt es ihn schon enorm, ausgerechnet im Olympiawinter durch eine Verletzung ins Hintertreffen geraten zu sein. „Ich war einfach nicht richtig fit“, bedauert er.
Mittlerweile sind die Schmerzen nach eine Reha und durch intensive Behandlung der Physiotherapeuten wieder weg. „Wenn die Gesundheit mitspielt, ist die Motivation für das Training trotz der verpassten Chance immer noch da. Es macht einfach Spaß und Bob fährt nun mal nicht jeder“, sagt der gebürtige Paderborner. Seine Trainingspartnerin Sarah Noll, ebenfalls ein echtes Paderborner Kind, feierte in diesem Winter bisher große Erfolg auf der europäischen Bühne und neben der WM 2015 hat sie auch den Gedanken an Olympia 2018 noch nicht ganz aufgegeben. Als sie irgendwann von ihrem Trainer auf den Bobsport angesprochen wurde, überlegte sie nicht lange. „Ich bin immer offen für etwas Neues und so etwas kann man nicht alle Tage ausprobieren“, erzählt sie. Trotz eines enormen Drucks, der besonders in den
schnellen Kurvendurchfahrten auf die Athleten wirkt, „bin ich gleich wieder begeistert in den Bob eingestiegen.“

Bei ihr sitzt der Frust über eine verpasste Olympiade nicht zu tief. Immerhin stehen bei ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften gerade Klausuren an. „Und da ist lernen angesagt“.